Zusammenfassung des Online-Seminares
Alternative Haltungssysteme in der Schweinemast

Unter dem Oberbegriff "Alternative Haltungssysteme in der Schweinemast" fand am 17. November 2021 ein Online- Seminar als Abendveranstaltung in Kooperation mit dem Netzwerk Fokus Tierwohl und dem AELF Coburg- Kulmbach statt.

Das Thema wurde vor dem Hintergrund der immer lauter werdenden Forderungen des Lebensmitteleinzelhandels nach Haltungsform 3 und 4 ausgewählt und praxisnah für interessierte Landwirte gestaltet. Teilnehmer aus ganz Bayern waren vertreten.

Projekterfahrungen der LfL

Zunächst trug Franziska Plank Erkenntnisse aus dem LfL – Projekt "Alternative Haltungssysteme in der Schweinemast" vor. In diesem Projekt wurden 11 verschiedene Buchtenvarianten in sechs unterschiedlichen Stallsystemen über den Zeitraum von einem Jahr betrachtet und anhand unterschiedlicher Indikatoren bewertet. Die teilnehmenden Betriebe sind so ausgewählt, dass alle Stallsysteme den Mindestanforderungen der Haltungsstufe 3 oder 4 entsprechen, zudem sollten möglichst viele unterschiedliche baulich-technische Details abgebildet werden. So unterschieden sich die Ställe beispielsweise im Buchtenaufbau oder in ihren Einstreu- und Entmistungstechniken. Unterscheide sind hier beispielsweise Einstreuautomatik über Kettenförderung, Einstreuroboter oder manuelle Einstreu. Die Entmistung wird auf den meisten Betrieben mit Unterflur-, Oberflurschieber oder Schlepperentmistung geregelt. Einige Betriebe setzten auf herkömmliche Güllesysteme, teilweise mit Slalomsystem, wobei diese beim Einsatz von Einstreumaterial oder Raufutter schnell an ihre Grenze stoßen können.
Welche Erkenntnisse lassen sich aus dem Projekt ziehen?
Ein zentraler Punkt des Projektes stellt die Funktionssicherheit der Stallsysteme dar. Hier ist vor allem das Einhalten der Buchtenstrukturen – sprich keine Verschmutzung der Liege- und Aktivitätsbereiche – ein großes Thema. In Bezug auf die Buchtenverschmutzung im Liegebereich haben die untersuchten Pigport 3 Ställe sowie der Offenfrontstall und ein Schweizer-Labelstall sehr gut abgeschnitten. Bei einigen Stallsystemen (Schrägbodenstall, Schweizer Labelställe) konnte keine eindeutige Tendenz abgeleitet werden. Als mögliche Einflussfaktoren stellten sich besonders die folgenden Punkte heraus:
  • Klar getrennte Funktionsbereiche helfen beim Einhalten der Buchtenstruktur, z.B. unterschiedliche Bodengestaltung und Lichtführung im Liege- und Kotbereich oder eine Kleinklimazone im Liegebereich.
  • Hauptprobleme mit verschmutzten Liegebereichen konnten vor allem im Sommer und bei Wetterumschwüngen in den Übergangszeiten festgestellt werden.
  • In Bezug auf das Längen- und Breitenverhältnis der Buchten wird die Buchtenstruktur am besten bei einer Breite von bis zu 2,5 m eingehalten (breiter = schlechtere Struktur), lange Buchten funktionierten besser als quadratische (Längen-/Breitenverhältnis 4:1).
  • Auch die Gebäudeausrichtung könnte eine Rolle spielen, hier haben sich einreihige, mit dem Auslauf nach Süden ausgerichtete Ställe empfohlen.
  • Bei unterschiedlichen Futtersystemen schneidet die Trockenfütterung im gleichem Stallsystem und bei gleichem Management besser ab in Bezug auf die Sauberkeit der Buchten im Liege- und Aktivitätsbereich.
Schweine auf Stroh im Stall.
Ein weiterer zentraler Punkt in alternativen Haltungssystemen ist die zusätzliche Arbeitszeit durch Tierkontrolle, Einstreuen und Entmisten. Als Referenzwert wird hier die tägliche Tierkontrolle in einem konventionellen Stall genutzt. Zwischen den Betrieben konnten große Unterschiede bei der zusätzlich benötigten Arbeitszeit festgestellt werden, die vor allem vom Management abhängig waren. Je höher die Automatisierung von Einstreu und Entmistung, desto geringer war der zusätzliche Arbeitszeitaufwand. Ein hoher Technisierungsgrad ist aber auch mit höheren Investitionskosten verbunden.
Fazit
Als Fazit lässt sich sagen, dass unterschiedliche Systeme, bzw. Ausgestaltungsmöglichkeiten möglich sind – das Stallsystem muss zur Vermarktung und zum Landwirt passen!

Beispiel aus der Praxis

Einer dieser Landwirte, die sich dazu entschieden haben, ihren Maststall in eine höhere Haltungsstufe mit passender Vermarktung einzugliedern, ist Jan-Hendrik Hohls. Sein Betrieb umfasst ca. 315 produktive Zuchtsauen inklusive Ferkelaufzucht und der dazugehörigen Mast.
  • Die Mastställe wurden bereits in Haltungsstufe 3 und 4 umgebaut, mit dem Ziel, unkupierte Schweine mit Ringelschwanz (Strohschweine) zu vermarkten.
  • Ausgangslage war ein Maststall mit 700 Mastplätzen, Vollspaltenböden mit 10-12 Tieren je Bucht, Mittelgang und Türganglüftung.
  • Im Zuge der Umbaumaßnahmen wurde einseitig ein vollüberdachter Auslauf mit Windfangnetzen angebaut.
  • So stehen jedem Tier nun 1,5 m² Platz zur Verfügung (davon 0,5 m² Auslauf).
  • Die Ausläufe (Holzkonstruktion) gestalten sich wie folgt: 4% Gefälle (Abfluss Feuchtigkeit), betonierte Festfläche mit Besenstrich und umgebauten Fenstern zu Kontrolltüren.
  • Der Auslauf wird mit Stroh eingestreut und einer automatischen Einstreuanlage 4x am Tag nachgestreut.
Der Betriebsleiter äußerte die Vermutung, dass diese automatische Einstreu eine große Hilfe beim Ringelschwanz ist, denn bei deren Ausfall kam es hier zu Problemen. Im stallnahen Bereich des Auslaufes sind geschlossene Gitter angebracht, im unteren Bereich hingegen, der als Kotbereich genutzt werden soll, befinden sich Kontaktgitter. Dieser Bereich wird zweimal wöchentlich mit Schlepperentmistung ausgemistet. Zudem wird einmal die Woche der komplette Auslauf entmistet.
Im Innenbereich wurde zunächst der Zentralgang auf die andere Seite verlegt und die bestehenden Buchten aufgelöst und Spülleitungen nachgerüstet. Es werden Großgruppen mit ca. 250 Tieren je Gruppe gehalten. Seit der Umstellung haben sich die Zunahmen gesteigert. Als große Herausforderung betitelte auch Hohls die Steuerung der Liegebereiche, ähnlich wie im Vortrag vorher berichtet wurde. Insgesamt zeigte sich der Betriebsleiter aber sehr zufrieden mit dem Umbau. Sein nächstes Projekt steht bereits in den Startlöchern.